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Unser Neuburger Descartes-Gymnasium, ein Brandschutzdrama
14.05.2012 18:44 Uhr DK
"Wie ein Elefant im Porzellanladen"
Neuburg (r) Das Descartes-Gymnasium geht unruhigen Zeiten entgegen. Die Vertreter des Landkreises bestehen darauf, dass der Hauptbau wegen Brandschutzmängeln gesperrt wird. Die Hälfte der 1300 Schüler soll in Container, die Pausenhof und Sportplatz komplett zustellen.
Der Sportunterricht leidet dann, zumal auch zwei von drei Turnhallen gesperrt sind. Eltern und Schule fürchten um die Attraktivität des einzigen Gymnasiums der Stadt. Ein Abwandern vor allem der jüngsten Schüler nach Ingolstadt, Eichstätt und Donauwörth sei zu befürchten, so Elternbeiratsvorsitzende Angelika Habelt. Bis der Landkreis jahrelang plant und saniert, „geht uns mindestens eine Schülergeneration verloren“.
Den Wirbel ausgelöst haben Kreis-Baureferent Franz Josef Simon und der Ingolstädter Fachplaner für Brandschutz Marcus Seidl. Nach Bauuntersuchungen des Gymnasiums im Auftrag des Landkreises stellte Seidl mindestens „25 schwerwiegende Mängel“ fest. Der Brandschutz sei nicht gewährleistet, „es muss unverzüglich gehandelt werden“, fordert Seidl. Er sieht „Gefahr für Leib und Leben“ der Schüler und Lehrer: „Solange wir keine Alternativen finden, sage ich, die Kinder müssen da raus“.
In seiner Mängelliste geht Seidl nicht nur von neuesten Brandschutzanforderungen aus. Er behauptet auch, dass bereits bei der Modernisierung und Aufstockung 1995/96 Baumängel aufgetreten seien. Seidl: „Das Gebäude ist in wesentlichen Teilen nicht gemäß der Baugenehmigung erstellt worden“.
Ein harter Vorwurf. Immerhin hat der Gymnasiumsbau damals 27 Millionen Mark gekostet. Es gab einen Baubetreuer, wöchentliche Baubesprechungen und die Einschaltung von Helmut Rottmair, dem Brandschutzbeauftragten der Regierung von Oberbayern.
Die aktuelle Einschätzung des Brandschutzes im Gymnasium löst beim Elternbeirat Entsetzen aus. „Das ist ein Desaster, wie kann es sein, dass diese extremen Mängel zu einer Abnahme führten“, fragt eine Mutter. Eine andere sagt: „Mich erschreckt es, dass schlampig gearbeitet und falsche Materialien verwendet worden sind“. Verärgert zeigten sich die Eltern auch darüber, dass Mängel bereits 2008 erkannt worden, aber nicht beseitigt worden seien.
Stefan Rassek, vereidigter Brandschutzsachverständiger aus Wuppertal, hielt sich in einer Krisensitzung im Landratsamt Neuburg zurück, bestätigte aber im Wesentlichen die Einschätzung des Fachplaners Marcus Seidl.
Lokalpolitiker schütteln den Kopf. Die meisten gehen von einer Maximierung des Brandschutzes ohne jedes Augenmaß aus. „Wenn wir alle diese Vorgaben erfüllen sollen, dann können wir alle Schulen zumachen“, konstatiert Landratsstellvertreter Alois Rauscher (CSU). Lothar Klingenberg (FDP) erinnert daran, dass der Landkreis schon die Isabella-Braun-Schule in Container geschickt habe. Es mit den Gymnasiasten „von heute auf morgen“ genauso zu machen, „das ist empörend, da kriegt man einen Vogel“, ärgert sich der Kreisrat. Er warf Landrat Roland Weigert „großfürstliches Gehabe“ zu Lasten des Gymnasiums vor. Das Landratsamt sei „wie ein Elefant im Porzellanladen“ kurz vor dem Abitur in die Schule geplatzt, „eine Unverschämtheit“.
Baureferent Franz Josef Simon wehrte sich heftig: „Es ist unerträglich, wenn wir hier an den Pranger gestellt werden“. Die Verwaltung erledige ihre Arbeit und werde als Scharlatan dargestellt. Neuburgs OB Bernhard Gmehling hielt Simon „infame Unterstellungen“ vor, wenn er die Fürsorge aller Beteiligter für die Kinder in Frage stelle. Für den Oberbürgermeister steht fest: Wenn der Staat extremen Brandschutz wolle, dann müsse er diese Auflagen auch mitfinanzieren.
Im Descartes-Gymnasium gehen heute mit Mathematik die Abiturprüfungen weiter. Direktor Franz Hofmeier hofft, dass er von Aktionismus wie letzten Freitag verschont bleibt. Vom Landratsamt geschickte Handwerker wollten während des Deutschabiturs eine Etage tiefer die Rohre der Sprinkleranlage herausflexen.
Von Winfried Rein mehr
