07.10.2011 DK
"Ich bin ein Bekenner des
Holsystems"
Neuburg (r) Der Landkreis ist entschlossen, eine eigene Papiertonne einzuführen – ohne jeden Anschlusszwang.
Gestern stimmte der Kreisausschuss mit 8:5 dafür, nächste Woche entscheidet der Kreistag. Landrat Roland Weigert will darüberhinaus einen baldigen Bürgerentscheid zum Thema Müll. „Ich bin ein klarer Bekenner des Holsystems“, sagte der Landrat im Ausschuss.
Die CSU im Kreistag habe eine Bürgerentscheidung bisher verhindert, so Weigert. Die fünf Kreisräte der CSU stimmten gestern auch gegen eine kreiseigene Papiertonne ab 2013. Bürgermeister Karl-Heinz Stephan (CSU) sieht einen „wirtschaftsunfreundlichen Akt“, der gegen die Firma Gigler gerichtet sei. Sie betreibt erfolgreich und zuverlässig die Papiersammlung. Jetzt bei Null anzufangen, rechne sich nicht, so Stephan, „und die Vereine werden verlieren“. Das bestreitet Landrat Weigert. Man werde die Vereine weiter stützen und auch Papiercontainer an den Wertstoffhöfen vorhalten. Bei diesem Angebot „ist doch in der Landkreistonne nur noch Glump drin“, warnte Alois Rauscher (CSU). Der Kreis werde draufzahlen. Entweder es gebe ein volles Holsystem oder ein Bringsystem, ein Mix sei untauglich „und der Landkreis wird zum Pleitekandidaten“.
Abfallchef Franz Josef Simon warnte vor Abwarten: „Dann besteht die ganz große Gefahr, dass die Privaten auch andere Wertstoffe übernehmen“. Der Landkreis müsse rechtzeitig reagieren, „sonst sind wir nur noch diejenigen, die den Dreck nach Mailing fahren“.
Die SPD hatte die Papiertonne bereits 1990 im Kreistag beantragt. Nach 21 Jahren ist sie weiterhin „geschlossen dafür, weil uns die Papiermengen davonlaufen“, so Fraktionssprecher Anton Krammer. „Die unendliche Geschichte muss vom Tisch“, findet auch FW-Sprecher Hans Scholz.
Lothar Klingenberg (FDP) sieht „keinen Wechselwillen“ bei Bürgern, die bereits die Gigler-Tonne haben. Man soll der Wirtschaft nicht unfreundlich begegnen. Vielleicht sei eine Kooperation mit Gigler möglich. Klingenberg stimmte für die Kreis-Papiertonne. Ferner verlangte er „sofortiges Holsystem für alle Müllfraktionen“.
von Winfried Rein