FDP KV Neuburg-Schrobenhausen - Mietzuschuss? Kunstförderung?

Navigation

Inhalt

  • Mietzuschuss? Kunstförderung?

    (18.10.2011) Text

10.10.2011 19:34 Uhr DK

Nicht hinnehmbar

 

Schrobenhausen (oh) Die FDP meldet sich mit heftiger Kritik an der Bezuschussung des neuen Kunstladens in der Lenbachstraße zu Wort.

 

Die Entscheidung des Bauausschusses, einer Schrobenhausener Künstlergruppe einen Mietkostenzuschuss für ein Ladengeschäft in Höhe von 11 000 Euro zu gewähren (wir berichteten), sei nicht nachvollziehbar, betont der stellvertretende FDP-Kreisvorsitzende Wolfgang Schmidt in einer Presseerklärung. Es handle sich dabei um eine einseitige Bevorzugung.

„Die FDP steht durchaus für Kunst und Kultur, aber in einem transparenten Rahmen“, betont Schmidt und fordert: „Eine Förderung muss für alle Künstler zugänglich sein und nicht nur für einige Auserwählte.“

Grundsätzlich halte die FDP die Bezuschussung eines Ladengeschäfts in bester Lage für nicht hinnehmbar. „Schon viele kleine Läden haben schließen müssen, weil die Mieten zu hoch waren. Da springt die Stadt Schrobenhausen auch nicht ein“, so Schmidt. Dass in diesem Fall eine Ausnahme gemacht wurde, hat nach Ansicht des stellvertretenden FDP-Vorsitzenden mit dem Eigentümer der Immobilie, in der sich der Kunstladen befindet (das Haus gehört Klaus Englert, Anm. der Redaktion), zu tun. „Es sieht ganz so aus, als sollte auf diese Weise die Mieteinnahme für ein Stadtratsmitglied gesichert werden. Das ist schon sehr auffällig“, erklärt Schmidt. Und weiter: „Ich bin nicht überzeugt davon, dass das bei einem anderen Vermieter auch so gelaufen wäre.“

Das Argument, der Kunstladen biete auch Platz für Veranstaltungen, lässt Schmidt nicht gelten. „Die Buchhandlung an der Stadtmauer bietet auch Lesungen an und bekommt keinen Mietkostenzuschuss von der Stadt“, so der FDP-Mann. Bei den kleinen Geschäftsleuten in Schrobenhausen herrsche große Verärgerung wegen der Sonderbehandlung des Kunstladens. „Ich verstehe sowieso nicht, warum sich mehrere Künstler zusammen nicht die Kosten für eine Ladenmiete leisten können“, wundert sich Schmidt. „Entweder kauft niemand diese Kunstwerke oder die Künstler bräuchten eine betriebswirtschaftliche Beratung.“

Von der DK-Redaktion

 

 

18.10.2011 19:05 Uhr


 




 

 


Verhärtete Fronten

Schrobenhausen (SZ) Der neue Kunstladen in der Lenbachstraße bekommt 11 000 Euro Mietkostenzuschuss – und erheblichen Ärger

Beschreibung: Click here to find out more!

Die Liberalen kritisieren die Entscheidung des Bauausschusses als nicht nachvollziehbar (wir berichteten). Kreisvize Wolfgang Schmidt traf jetzt in der SZ-Redaktion auf Kunstladen-Initiator Lothar Hofmann, der zu einem Aufklärungsgespräch bat. Gut eine Stunde lang tauschten die beiden Kontrahenten ihre Standpunkte aus – zu einer Annäherung der Meinungen, dies schon einmal vorweg, kam es dabei jedoch nicht.

Lothar Hofmann, seit zwei Jahren Wahl-Schrobenhausener sowie Initiator und Ideengeber des Kunstladens, eröffnete das Gespräch mit dem Bekenntnis, dass er sich über die massive FDP-Kritik im ersten Moment sehr geärgert habe, im zweiten Moment aber genau darin auch eine Chance erkannt habe, den Sachverhalt aufzuklären. „Es gibt für den Kunstladen nichts zu verbergen“, betonte er.

Gleich im Anschluss kommt Hofmann auf eine Presseerklärung des FDP-Kreisvizes aus Aresing zu sprechen, in der dieser den hohen Mietkostenzuschuss folgendermaßen kritisiert hatte: „Es sieht so aus, als sollte auf diese Weise die Mieteinnahme für ein Stadtratsmitglied gesichert werden.“ Dies, so Hofmann, sei ein Gerücht, das aus der Welt geschafft werden müsse.

Schmidt jedoch bleibt bei seiner Haltung. „Das ist kein Gerücht. Das sieht so aus. Nicht nur für mich, sondern auch für andere Leute“, beharrt er.

Hofmann bittet darum, den Einsatz und den Idealismus der Künstler angemessen zu würdigen. „Die sieben Künstler, die am Anfang mit dabei waren, haben aus dem Nichts einen Laden geschaffen“, betont er. Dies sei Neuland gewesen. Im Bereich Künstlergalerie gebe es bislang keine vergleichbaren Versuche. „Nach einem halben Jahr wurde festgestellt, dass sich der Laden nicht rechnet“, so Hofmann weiter. In dieser Zeit seien in dem Geschäft 12 000 Euro umgesetzt worden. Zudem hätten die Künstler Arbeitsstunden im Wert von 16 000 Euro geleistet, wenn man einen Stundensatz von 30 Euro ansetzte.

An dieser Stelle unterbricht FDP-Mann Schmidt Hofmanns Vortrag. „Dieses Rechenexempel ist nicht plausibel“, wendet er ein. „Ich kann nicht, wenn ich einen Laden aufbauen möchte, von mir selbst als Kostenfaktor ausgehen. Meine Bezahlung ergibt sich aus dem, was ich erziele“, doziert Schmidt und macht Hofmann folgenden Vorschlag: „Eigentlich müssten Sie sich da reinstellen. Es war ja Ihre Idee.“

Doch Hofmann lässt sich nicht provozieren und kommt auf die Bereicherung zu sprechen, die der Kunstladen für Schrobenhausen bringe. „Der Laden wird in der Bevölkerung sehr gut angenommen. Es prasselt nur Lob. Er hat der Stadt insgesamt sehr gut getan. Eine Kundin hat neulich gesagt: Der Laden hat Schrobenhausen geliftet. Das geht nur mit dem Engagement und dem Idealismus der Künstler“, führt er weiter aus. „Nein“, widerspricht Schmidt. „Es geht nur mit dem Geld der Stadt.“

Das will Hofmann nicht unkommentiert lassen: „Der Zuschuss ist ein Dankeschön der Stadt an die Künstler.“ Schmidt darauf: „Dann müssten Sie jeder Krankenschwester, die ihren Job auch voller Idealismus macht, auch einen Zuschuss geben.“ Hofmann wiederum: „Ich kann doch einen Künstler nicht mit einer Krankenschwester vergleichen. Das ist eine Pioniertat, die hier stattfindet. Ziel ist es, dass sich der Laden irgendwann einmal rechnen muss.“

Am besten bringt ein kurzer Wortwechsel die gegensätzlichen Positionen der beiden Diskutanten zum Ausdruck. „Kunst ist Feinkost für die Seele, aber es sei auch ein Lebensmittel“, schwärmt Kunstfreund Hofmann. „Das ist alles wunderbar. Nur finanzieren Sie es nicht über die Allgemeinheit“, entgegnet FDP-Mann Schmidt nüchtern.

von Eleonore Wöhrle