FDP KV Neuburg-Schrobenhausen - Realschule Karlshuld - Wahlkampfthema und Wirklichkeit
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Realschule Karlshuld - Wahlkampfthema und Wirklichkeit
(13.12.2010)28.05.2009 DK
Landrat will eine Realschule für Karlshuld
Neuburg (DK) Landrat Roland Weigert will eine Realschule in der Landkreismitte. Er denkt an eine Kooperation mit der Hauptschule Karlshuld. In einer schwierigen Sitzung mit stark emotionaler Färbung konnte sich Weigert (FW) gestern im Kreisausschuss mit den Stimmen seiner Fraktion und der Unterstützung durch SPD und FDP gegen die CSU durchsetzen. Die Union lehnte geschlossen ab, unterlag aber mit 8:5 Stimmen. Als nächste Instanz ist der Kreistag gefragt.
Dass derartige Kooperationsmodelle möglich sind, wurde im März vom Kultusministerium publiziert. Die Landkreisverwaltung wurde aktiv. Vergangenen Freitag unterschrieb der Landrat den Antrag ans Ministerium, am Montag wurde er in München abgegeben. Gerade noch fristgerecht. Gestern Nachmittag wollte Weigert die Zustimmung der Kreisräte. Hatte sich zweiter Landratsstellvertreter Alois Rauscher (CSU) in Vorgesprächen noch zugänglich gezeigt, folgte er gestern bedingungslos seinem Fraktionschef, dem Neuburger OB Bernhard Gmehling. Der hatte in Fraktionskollege Reinhardt Reissner einen starken Flankenmann. Gmehling und Reissner betonten mehrfach, im Landkreis gebe es vier funktionierende Realschulen, zwei in Schrobenhausen, zwei in Neuburg. "Höhlen wir diese Realschulen aus, werden Fächerverbindungen, die notwendig sind, nicht mehr angeboten werden können", warnte Gmehling. Der fünfte Standort gefährde quasi die vier anderen. "Wir haben sieben Millionen in Schrobenhausen und acht in Neuburg investiert. Diese Schulen zu schwächen, ist gegenüber dem Steuerzahler nicht zu vertreten", betonte der Neuburger OB, nach dessen Ansicht in Karlshuld ein Neubau notwendig würde. "Die CSU lehnt den Antrag ab", meinte Gmehling unmissverständlich. Rückendeckung erhielt er dabei vom Schrobenhausener Rathauschef Karlheinz Stephan. "Ich kann nicht zustimmen", erklärte Stephan mit Hinweis auf sinkende Schülerzahlen, auch an der Schrobenhausener Realschule.
Landratsstellvertreter Michael Kettner (SPD) favorisiert eine Realschule Karlshuld: "Die Gemeinde, die Eltern und der Elternbeirat wollen diese Schule", sagte Kettner. "Unsere Chancen stehen 50:50. Ich bitte um ihre Unterstützung." Doch damit lief Kettner gegen eine Wand. Die Diskussion, an deren Ausgang von Anfang an keinerlei Zweifel bestand, begann sich im Kreise zu drehen. Karlshulds Bürgermeister Karl Seitle (FW), der seine Schule erhalten und durch das Kooperationsmodell noch aufwerten möchte, suggerierte: "Das Kultusministerium hat das Tor aufgemacht. Es wäre ein Armutszeugnis, wenn der Landkreis daran vorbei gehen würde." An Neuburgs OB gewandt, sagte Seitle: "Ich bin enttäuscht von Ihnen."
Mit zunehmender Dauer der Debatte wurden die Köpfe röter, die Wortbeiträge lauter. Kreiskämmerer Klaus Hopp-Wiel versuchte geschmeidig, mit einer lateinischen Phrase den Emotionsfaktor zu drosseln, hatte dann Augenblicke später aber selbst eine gesunde Gesichtsfarbe. Landrat Roland Weigert hielt ein flammendes Plädoyer pro Karlshuld und einer Prüfung des Antrags durch das Kultusministerium. "Das einzige was wir in Zusammenhang mit der Realschule hören, ist, was nicht geht", forderte er mehr Kreativität ein. "Früher war die CSU experimentierfreudig und innovativ", erinnerte Lothar Klingenberg (FDP) an die Einführung von R 6, G 8 und Kooperation von Haupt- und Förderschule. "Stimmt’s dem Standort zu. Er erfüllt alle Voraussetzungen", appellierte SPD-Fraktionschef Anton Krammer an die CSU-Ecke. Vergeblich. "Wir legen Hand an ein hervorragend funktionierendes Realschulsystem", unterstrich Gmehling.
Mit 8:5 Stimmen wurde schließlich beschlossen, eine Realschule Karlshuld weiter zu verfolgen. Konsens bestand lediglich darin, dass der Kreistag ebenfalls zustimmen muss. Dort ist die CSU mit 27 Sitzen in Unterzahl. Weigert kann auf 33 Stimmen von FW, SPD und Ausschussgemeinschaft hoffen. Entschieden ist aber auch dann noch nichts. Das Kultusministerium in München bestimmt, was künftig los ist im Donaumoos.
von K. P. Frank