FDP KV Neuburg-Schrobenhausen - Wenn Welten aufeinander prallen

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  • Wenn Welten aufeinander prallen

    (18.02.2011)  

    17.02.2011 DK SOB

    Wenn Welten aufeinander prallen





















    Teilweise gingen die Wogen hoch bei der vom DGB-Ortskartell Schrobenhausen organisierten Podiumsdiskussion. (v.l.) Oliver Brockmann, Ortsvorsitzender der FDP, Roland Keller, Ortsvorsitzender der Neuburger Linken, DGB-Ortskartellvorsitzender Robert Huber, SPD-Kreisvorsitzende Astrid Welter-Herzberger und Thomas Schwarz, DGB-Organisationssekretär der Region Ingolstadt. - Foto: Drexler


    Schrobenhausen (SZ) Alle gegen einen schien es zeitweise bei der vom DGB-Ortskartell organisierten Diskussionsrunde zu heißen. "Gerechtigkeit ist etwas anderes – wir brauchen einen Kurswechsel" war das Thema, das Vertreter von SPD, FDP und der Linken am Mittwochabend diskutierten. Vertreter von CSU und Freien Wählern fehlten. Ein Umstand, den Robert Hubert, DGB-Ortskartellvorsitzender, nicht unkommentiert ließ. Es sei ihm unverständlich, warum eine staatstragende Partei, die das Ehrenamt so preise, an einem ehrenamtlichen Abend wie diesem nicht teilnehme. "Und dann hat es die CSU nicht einmal nötig, wenigstens auf eine Einladung zu reagieren", meinte Huber kopfschüttelnd. Keine Rückmeldung hatte er auch von den Freien Wählern erhalten. Werner Lemal war zwar unter den wenigen Zuhörern, saß dort aber als Vertreter des Vorstandes und nicht als Diskussionsteilnehmer, wie er gegenüber der SZ betonte.

    In die Höhle des Löwen hatte sich dagegen Oliver Brockmann, Ortsvorsitzender der FDP, gewagt. "Von mir werden Sie keine heile Welt und keine Fantasien hören", versprach er bei der Vorstellungsrunde. Womit er aber wohl selbst nicht gerechnet hatte, waren die heftigen Reaktionen vom Publikum und den anderen Teilnehmern der Podiumsdiskussion auf seine Ausführungen. Aussagen wie "wir sollten uns entscheiden, ob wir öffentliche Leistungen finanzieren oder Länder wie Griechenland retten", "Patienten müssen auch mal selber zahlen" oder "Sie können doch nicht alle Leute immer mitziehen" zum Thema Stellenabbau im Rahmen von Privatisierungen brachten die Zuhörer gegen ihn auf. Er solle einmal ein Jahr lang als Kloputzer für 3,50 Euro arbeiten, empfahl ihm eine erboste Zuhörerin. Thomas Schwarz, DGB-Organisationssekretär aus Ingolstadt, fand sogar, dass Brockmann mit manchen seiner Aussagen "nahe an der Euthanasie dran" sei. Ein Satz, den der FDP-Ortsvorsitzende als beleidigend empfand.

    Obwohl die Wogen immer mal hochgingen, war es insgesamt doch eine sachliche Diskussion. Schwarz, Roland Keller als Vertreter der Linken und SPD-Kreisvorsitzende Astrid Welter-Herzberger umrissen kurz ihre Grundhaltungen, die sich in einigen Punkten ähnelten. Sie brandmarkten Leiharbeit als "Sklavenhandel des 21. Jahrhunderts" (Schwarz), sprachen sich dafür aus, dass der Staat für Bildung keine Gebühren verlangen darf, waren gegen die Rente mit 67 und fanden, dass Privatisierung der falsche Weg sei.

    Wie aber könnte ein Kurswechsel aussehen? Keller sprach sich dafür aus, einen flächendeckenden Mindestlohn einzuführen und Hartz IV, das als Lohndumping missbraucht werde, abzuschaffen. Um Geld in die klammen Kassen der Kommunen zu bekommen, riet die SPD-Kreisvorsitzende dazu, größere Einnahmequellen zu finden. Als Beispiele nannte sie die Besteuerung von großen Erbschaften, die Anhebung des Spitzensteuersatzes oder das Schließen von Schlupflöchern bei Steuergesetzen "wo Firmen sich arm rechnen können". Als "Lernhilfe" für die Politiker, kündigte Schwarz "Nadelstiche", also bundesweite Aktionen der Einzelgewerkschaften, an. Viel Applaus bekam Keller für seine Forderung, dass jeder das Recht auf Ausbildung habe. "Hauptschüler haben heute fast keine Chancen mehr." Den Wunsch einer Zuhörerin nach mehr Transparenz bei den Kassenverträgen traf sowohl bei Schwarz als auch bei Welter-Herzberger auf offene Ohren.

    "Ich hoffe, ich war nicht nur der Sündenbock für Sie", meinte Brockmann am Ende der fast dreistündigen Diskussion. "Man muss manchmal die Wurzel von etwas betrachten", sagte er und hoffte, dass seine Ausführungen nicht zu kalt geklungen hätten. Es sei nicht einfach, "wenn man eine ziemlich einsame Position hat", sprach ihm die Kreisvorsitzende ihre Anerkennung aus. "Sie sind noch sehr jung und können bestimmte Lebenserfahrungen noch nicht haben."


    von Gerlinde Drexler